Kunstforum der Kreativität
von Künstlern und Kunsthandwerkern mit Kunstinteressierten
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GALERIE


"REDE FÜR ALWINA HEINZ"
Thomas Brandt;  Ausschnitt aus der Ausstellungsrede im Kunstmuseum Neuss, 2016


'"Alwina Heinz' Kunst ist in ihren Mitteln elementar. Ihr Werkzeug ist vor allem der Stift, oft mit Graphitmine, manchmal auch der Buntstift – Malerei im Sinne eines Arbeitens mit flüssiger Farbe  eignet sich nicht, wie sie erkannt hat, zur Umsetzung ihrer Ideen. Ihr vorwiegend verwendetes bildnerisches Mittel sind Linien, Linien als Bewegungsbahnen, Linien als Beziehungsfäden zwischen miteinander in Verbindung stehenden Punkten, Linien als Strahlen oder Teile magnetischer Felder, Linien als Grenzen imaginärer, gedanklicher Räume. Es sind feinsinnig gezogene, mit Empfindung aufgeladene Linien, fast seismographisch zeichnen sie Erfahrungs- und Denkprozesse der Künstlerin auf, folgen ihren immer neu ansetzenden komplexen, sehr persönlichen Theoriebildungen.
Als eine Art Zeitspeicher überlagern sich dabei aneinander anknüpfende und aufeinander reagierende Denkwege. Vielleicht kann man am besten von filigranen Welterklärungsmustern sprechen – mit denen sie sich, wie Alwina Heinz schreibt, die hinter der Komplexität des Erlebten vermuteten Systeme ent-schlüsselt, während die Betrachter ihrer Werke diese Strukturen als verschlüsselte Mitteilungen wahrnehmen, die zu enträtseln ihnen aufgegeben ist.

Die sichtbare, gegenständliche Welt findet sich, wenn überhaupt, dann nur in zeichenhafter Verdichtung in ihren Arbeiten. Sinnlich erlebbarer Raum, erlebbare Körper, erlebbare Farbe und Licht werden ihr nicht zum Thema. Ihre Bildwelt ist gedanklicher, geistiger Art. Ihre Zeichnungen sind Notationen zur Struktur von Systemen, die das Weltgeschehen bedingen. Alles Wahrgenommene übersetzt sich in der inneren Bildwelt der Künstlerin in Muster, die einmal mehr mathematisch präzisen Charakter haben, ohne jemals der objektiven Darstellungsform mathematischer Modellvorstellungen zu entsprechen, dann wieder mehr organoid geprägt sind. Der Vorgang des Zeichnens ist schließlich nicht mehr als ein Aufschreiben des Erkannten."


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