Kunstforum der Kreativität
von Künstlern und Kunsthandwerkern mit Kunstinteressierten
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Skulpturen selbst schaffen!

Beitrag von Reinhard Riedel


Was prägt oder fasziniert das Individuum in Bezug auf Kunst? Warum interessiert sie ihn überhaupt nicht? Warum wird er Künstler? Warum Sammler? Was kauft er oder insbesondere nicht? Warum malt der eine nur, der andere nicht? Und manche machen vieles? Aber alles gleich gut?

Das sind schon mal sehr viele interessante Fragen für ein Kunstportal wie unseres. Welches sich ja an Künstler und Kunstinteressierte gleichermaßen wendet. Und dann auch noch den Kunstschaffensprozess im Fokus haben will.

Hat man ein gewisses Alter erreicht, dann schaut man natürlich zurück. Und stellt sich die Frage, welche Weichenstellung hat man bewusst gewählt. Oder der Zufall, Zeitgeist … hat einen dann eigentlich die Entscheidung abgenommen.

Das Individuum will warum auch immer etwas erschaffen. Es fasziniert ihn. Er gibt nicht nach wenigen Stunden auf mit der für ihn vordergründigen Entschuldigung, dass er nicht zeichnen kann. Er erkennt, dass man für Kunst ohne Kunstfertigkeit, also Handwerk, zufällig ist. Also dass Kunst insbesondere am Anfang Arbeit ist, die viel Dreck macht und zudem nicht einmal schön ist. Also zunächst Malen, Skizzieren. Es erkennt, dass das Material das Ergebnis beeinflusst.
Es kommt zur Motivwahl, es probiert aus- Die individuellen Ausprägungen zur Malerei, das Finden des Künstlers zu seiner individuellen Ausprägung finden wir hier ja in vielerlei Hinsicht. Die 10000-Stundenregel hat sich erfüllt. Mit diesem Aufwand erreicht jedes Individuum, hätte es dazu auch die Möglichkeiten und Besessenheit, das sog. Meisterniveau. Das was man mit Energie sich an Handfertigkeit aneignen kann. Und erst danach erkennt das Individuum ob es bei der Kunstfertigkeit bleibt oder ob die Muse einen geküsst hat.
 
Leider oder Gott sei Dank gilt dies aber in allen Genres der bildenden und darstellenden Kunst. Auf dem Weg der 10000 Stunden ist man natürlich mehrfach ob seiner Unzulänglichkeiten frustriert. Man spielt immer wieder mit dem künstlerischen Selbstmord. Man sieht das Heil in neuen Techniken, Materialen. Provoziert durch Motivwahl. Alle Künstlerbiographien zeigen hier das Ringen mit dem individuellen Künstlerschicksal.
 
So war es bei mir natürlich auch.
Man findet den Stand meiner Kunstfertigkeit im Bereich des Malens auf dieser Seite. Und jetzt kommt wieder ein Allgemeinplatz. Um das Fehlende, die Unzulänglichkeiten für einen Selbst befriedigend etwas zu beseitigen, muss man immer wieder sehr viel investieren. Und der neutrale Betrachter merkt vielleicht gar nicht den Unterschied.
 
Also im meinem Fall Genrewechsel.
Weg von der Malerei zur  Künstlerrettung in die Bildhauerei. Aber das ist dann auf keinen Fall einfacher. Will man zerstörend oder aufbauend arbeiten. Zerstörend, indem man Material abträgt. Welches Material. Stein, Holz. Dazu braucht man Werkzeug, Arbeitsschutz, Platz.  Im nachstehenden Video findet man ein Beispiel für das, was Andere machen.


In den Anfängen eher abschreckend. Beim Zerstörenden erkennt man sehr schnell, dass das was weg ist nicht mehr dran geht. Also man braucht irgendwie eine Ausgangsbasis, ein Modell, einen Plan. Und erkennt schnell, dass es schon seit Jahrhunderten Techniken der maßstabsgetreuen oder -verändernden Projektion gab.
Wie kommt man zum Modell. Bildhauerwachs oder Ton. Davor aber die Grundsatzentscheidung, abstrakt oder figürlich.
Und was soll das Endergebnis sein. Ein Unikat, also das was der Bildhauer aus dem Stein gehauen hat und was drin war. Im Übrigen ein Allgemeinplatz und die Muse dreht sich dazu ständig im Grab rum und ist total verzweifelt ob dem, was da alles im Stein drin gewesen wäre, wenn nur …)
Und jetzt spuckt auch noch die Digitalisierung in die Künstlersuppe. Denn wenn man schon ein Modell hat, warum gibt man es nicht zu einem Profi. Der dann dafür sorgt, dass ein Roboter es in einem konfigurierbaren Maßstab es aus einem Stein oder Holzblock fräst. Also der Künstler als Designer?
Aber warum dann die zerstörenden Technik. Denn der Roboter könnte ja es aufbauen? Und hier sind wir dann beim 3D Druck. Da ja schon Häuser mit 3D-Betondrucker gebaut werden, Fertigteile schon längst, warum wollen wir uns Popeye-Arme antrainieren, wenn man das alles am CAD-Bildschirm erledigen kann.
Also war meine Entscheidung aufbauend zu arbeiten. Und dann reproduzierend. Also vom Modell zur Negativform und dann zur Reproduktion.
Aber auch dazu ein weiter Weg. Meine Motiventscheidung figürlich. Modell Mischtechnik: Bildhauerwachs, Gips, Ton.
Die folgenden Videos zeigen dann exemplarisch meinen dornigen Weg hin vom Modell zum Negativmodell.
Formenbau
Thema Silikonformen
Schlauchform
Zweiteiliger Formenbau
Kopf abformen
Sieht man sich jetzt meine Bildhauerobjekt an, so wird mein Prinzip sehr schnell klar. Nach dem künstlerischen Gestaltungsprozess, dem Modell, entsteht über Kunsthandfertigkeit das Negativmodell. Und daraus entsteht dann über Reproduktionstechniken mit unterschiedlichen Materialen wieder ein Kunstobjekt, das einmal besser und oft nicht so richtig funktioniert.

Dann ist aber der Königsweg der Bildhauerei zum Bronzeguss nicht mehr schwierig. Man reproduziert nur noch das Wachsmodell und gibt es zur Kunstgiesserei.

Und dann kommen die schwierigen Entscheidungen zur Aufbereitung des Rohgusses.

So einfach ist Bildhauerei ;-).

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